Papua-Neuguinea

Hat Papua-Neuguinea ein Schuldenproblem?

Der Staat Papua-Neuguinea ist nicht sehr hoch, aber mit einem ansteigenden Trend im Ausland verschuldet. Hoch verschuldet ist indes der Privatsektor, der vor vier Jahren begonnen hat, die sehr hohen ausländischen Kredite für die Ausbeutung der Erdgasvorräte des Landes zurückzuzahlen. Die Abhängigkeit von sehr wenigen Exportprodukten macht die Volkswirtschaft von Papua-Neuguinea sehr verletzlich für externe Schocks.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)78,440
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)166,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)26,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)36,950
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)206,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)17,718 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)2,771 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Papua-Neuguinea?

PNG Gläubigerprofil 2020-06

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Papua-Neuguineas Auslandsschulden entfallen zu gut drei Vierteln auf den privaten Sektor. Der Staat ist nur mit dem verbleibenden knappen Viertel im Ausland verschuldet.

Von den gesamten Schulden des Staates besteht nur ein knappes Viertel gegenüber ausländischen Gläubigern und mehr als drei Viertel gegenüber heimischen Banken und Investoren. Die Auslandsschulden des Staates teilen sich zu etwa gleichen Teilen auf multilaterale, öffentlich-bilaterale und private Gläubiger auf. Dabei zeigen sich in den letzten Jahren allerdings bedeutende Verschiebungen (s.u.).

Die riesigen Kreditaufnahmen des Privatsektors für die Ausbeutung von Flüssigerdgas (engl. Liquefied Natural Gas, LNG) haben Exportkreditagenturen der USA, Australiens, Japans und Italiens sowie ein Konsortium von 17 europäischen, australischen und asiatischen Banken bereitgestellt.

Die Mitglieder des Pariser Clubs beanspruchen 147 Millionen US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit – deutlich mehr als die Weltbank in dieser Kategorie überhaupt ausweist. Bescheidene 6 Millionen Euro davon entfallen auf Deutschland. Wichtiger Gläubiger der nicht-konzessionären Schulden ist China. Dokumentiert sind zwar nur 429 Millionen US-Dollar an Kreditvergaben an den Staat zwischen 2000 und 2017. Allerdings dürfte ein großer Teil der nicht garantierten Schulden auf China entfallen. Medien schätzen, dass insgesamt ein Viertel aller Auslandsschulden gegenüber China besteht.

Trend

Die absoluten Auslandsschulden Papua-Neuguineas haben sich zwischen 2008 und 2018 mehr als verzehnfacht, was vor allem auf die großen Investitionen in die Erdgasförderung zurückzuführen ist. Auf diese haben ab 2014 die Rückzahlungen eingesetzt. Ab 2015 geht die Verschuldung des extrahierenden Privatsektors aber sichtbar zurück.

Vom Verschuldungshöhepunkt 2016 bis Ende 2018 sind die Schulden-Indikatoren der gesamten Volkswirtschaft fast durchweg zurückgegangen. Das lag hauptsächlich am Abbau der privaten Auslandsverschuldung, während der papuanische Staat sich spürbar mehr verschuldet hat. Vor allem sind ausländische Privatgläubiger hinzugekommen. 2018 konnte der Staat eine öffentliche Anleihe im Umfang von 500 Millionen US-Dollar am internationalen Kapitalmarkt platzieren, nachdem dieser vor fünf Jahren noch am Desinteresse von Anlegern gescheitert war. Allerdings ist der angebotene Zinssatz von 8,375 Prozent auch bedenklich hoch.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Papua-Neuguinea

Seit seiner Unabhängigkeit hat Papua-Neuguinea weder mit seinen öffentlichen noch mit seinen privaten Gläubigern Umschuldungsvereinbarungen getroffen.

Papua-Neuguinea hat sich für das im April 2020 von den G20 angebotene Moratorium im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie qualifiziert und wird dadurch in diesem Jahr 22,7 Millionen US-Dollar an Zahlungen an seine öffentlichen Gläubiger sparen (und ab 2022 nachzahlen müssen).

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Volkswirtschaft Papua-Neuguineas wird weitgehend von dem Export mineralischer Rohstoffe bestimmt. Die Abschwächung der Nachfrage infolge der Unterbrechung internationaler Wertschöpfungsketten sowie der erhebliche infrastrukturelle Aufwand zur Eindämmung der Pandemie sind aktuell die größten Herausforderungen für die Schuldentragfähigkeit.

Politische Empfehlungen

Die Regierung sollte Erträge aus dem Gasexport – so sie denn zu erzielen sind – in die Diversifizierung der Wirtschaft des Landes und den Ausbau der Infrastruktur außerhalb des Exportsektors investieren. Sollten in den nächsten Jahren die ansteigenden öffentlichen Schulden zu Zahlungsproblemen führen, benötigt das Land ein umfassendes Entschuldungsverfahren.

Weiterführende Informationen und Materialien:

 

Stand: Juni 2020

 

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