Honduras

Hat Honduras ein Schuldenproblem?

Honduras weist wachsende Auslandsschuldenindikatoren auf, was aber weniger an der Verschuldung des Staates liegt, sondern auf eine zunehmende Kreditaufnahme honduranischer Unternehmen und Banken im Ausland zurückzuführen ist. Von den wichtigsten Schuldenindikatoren liegt aber nur der laufende Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen in einem so kritischen Bereich, dass das Land sich damit bereits wieder für die multilaterale Entschuldungsinitiative für hochverschuldete arme Länder (engl. Highly Indebted Poor Countries Initiative, HIPC) qualifizieren würde, wenn es sie noch gäbe.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)43,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)128,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)27,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)40,350
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)149,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)9,548 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)2,044 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Honduras?

HON Gläubigerprofil 2020.05

Erklärung der Schuldenkategorien
Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Honduras‘ Gläubigerstruktur hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich verändert: Der Anteil konzessionärer Finanzierungen aus öffentlichen bilateralen und multilateralen Quellen ist deutlich zurückgegangen. Dabei hat das Land Zugang zu deutlich mehr öffentlichen Finanzierungen, aber dies überwiegend zu marktnahen Konditionen. Entsprechend hat sich der laufende Schuldendienst auf die Auslandsschulden von 2016 bis 2018 fast verdoppelt.

Unter den bilateralen öffentlichen Kreditgebern überwiegen die traditionellen Geber im Pariser Club, darunter ist Deutschland mit Entwicklungshilfeforderungen im Umfang von 48 Millionen Euro einer der wichtigsten. Diese wachsen wegen laufender Vorhaben im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit langsam, aber stetig weiter. China hält keine Forderungen an Honduras.

Unter den privaten ausländischen Gläubigern des Staates spielen Banken nur noch eine geringe Rolle. Das wichtigste externe Finanzierungsinstrument sind Anleihen.

Dafür steigen die Forderungen privater ausländischer Banken an den honduranischen Privatsektor stark an. Die Rückzahlungen aus diesem Bereich machen inzwischen fast drei Viertel des gesamten Schuldendienstes von Honduras aus.

Trend

Honduras Auslandsschulden haben sich seit der Entschuldung unter der HIPC/MDRI-Initiative 2005 bereits wieder mehr als verdreifacht. Dabei hat der u.a. durch die Entschuldung bewirkte Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten eine Rolle gespielt. Durch die starke ausländische Kreditaufnahme des honduranischen Privatsektors sind zwei der drei Auslandsschuldenindikatoren bereits in den kritischen Bereich gestiegen, während die Indikatoren für die öffentliche Verschuldung sich in den letzten drei Jahren sogar leicht verbessert haben.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Honduras

Honduras hat 2000 den Decision Point und 2005 den Completion Point unter der multilateralen Entschuldungsinitiative HIPC/MDRI erreicht. Allerdings war der Schuldenerlass in Honduras absolut und relativ nicht ganz so weitreichend wie in ärmeren afrikanischen HIPC-Staaten oder auch im Nachbarland Nicaragua.

Zuvor hatte Honduras bereits fünf Mal im Pariser Club verhandelt und dabei jedes Mal leichte Verbesserungen, aber keine nachhaltige Lösung erreicht.

1989 erreichte Honduras eine größere Umschuldung (132 Millionen US-Dollar) mit seinen privaten Bankgläubigern. 2001 folgte eine kleinere Umschuldung im Rahmen der HIPC-Initiative.

Honduras gehört zu den Ländern, denen G20 und Pariser Club im April 2020 ein Moratorium (engl. Debt Service Suspension Initiative, DSSI) für alle 2020 anfallenden öffentlichen bilateralen Schulden angeboten haben. Ob das Land dieses Angebot annimmt, steht zur Stunde noch nicht fest. Angesichts der relativ geringen bilateralen Forderungen an Honduras wäre der Effekt auch begrenzt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Mitte 2019 hat der Internationale Währungsfonds (IWF) Honduras zum ersten Mal seit langem ein niedriges Überschuldungsrisiko bescheinigt. Das heißt, er geht davon aus, dass auch unter seinen standardmäßig durchgerechneten Schock-Szenarien die Schuldenindikatoren unterhalb kritischer Grenzwerte bleiben. Das ist angesichts des bereits hohen Schuldendienstes im Verhältnis zu den Exporteinnahmen eine bemerkenswerte Einschätzung.

Ein besonderes Risiko liegt in dem immer weniger konzessionären Charakter der neuen Kreditaufnahme. Honduras ist inzwischen zu einem „blend“ Land geworden, welches von Seiten der Weltbankgruppe sowohl sehr günstige Kredite durch die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) als auch teure Kredite durch die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (engl. International Bank for Reconstruction and Development, IBRD) bekommen kann. Letzteres ist zunehmend der Fall.

COVID-19 wird nach einer ersten Einschätzung des IWF zu einer Schrumpfung der Wirtschaft um 3,3 Prozent im Jahr 2020 führen. Ein Schock derartigen Ausmaßes und unberechenbarer Dauer war in den bisherigen Tragfähigkeitsmodellen nicht vorgesehen.

Politische Empfehlungen

Wie viele ärmere Länder mit hohem Wachstumspotenzial ist Honduras ein beliebtes Ziel für anlagesuchendes Kapital aus den USA und Europa. Insbesondere im Zusammenhang mit Megaprojekten sollte die Regierung bei solchen Kreditaufnahmen äußerst vorsichtig agieren.

Honduras gehört zu den Ländern, bei denen eine Einbeziehung der öffentlichen Entwicklungsbanken (Weltbank u.a.) sowie von Privatgläubigern in das Moratorium zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie den größten Effekt haben könnte.

Weitere Informationen und Materialien

Stand: Mai 2020