Bangladesch

Hat Bangladesch ein Schuldenproblem?

Bangladesch hat seit vielen Jahren relativ niedrige Schuldenindikatoren und deshalb kein akutes Schuldenproblem. Der Trend geht allerdings deutlich nach oben und wird sich als Folge des Klimawandels absehbar weiter verstärken.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2021)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)18,940
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)190,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)10,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)41,450
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)351,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)91,429 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)5,693 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Bangladesch?

Erklärung der Schuldenkategorien

Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Mehr als neun Zehntel aller Auslandsschulden entfallen auf den Staat. Private Unternehmen und Banken sind nur mit vergleichsweise bescheidenen 4,4 Milliarden US-Dollar im Ausland verschuldet. Schulden bei multilateralen Gläubigern machen rund die Hälfte aller Auslandsschulden aus. Auf der konzessionären Seite entfallen dabei mehr als 16 Milliarden US-Dollar, also rund drei Viertel, allein auf die Internationale Entwickungsorganisation, eine Unterorganisation der Weltbankgruppe. Unter den nicht-konzessionären multilateralen Kreditgebern liegt die Asiatische Entwicklungsbank mit allein 9,4 Milliarden US-Dollar weit vorne.

Bedeutendster öffentlicher bilateraler Kreditgeber ist Japan mit 9,5 Milliarden US-Dollar fast ausschließlich zu Entwicklungshilfebedingungen. Große öffentliche Gläubiger mit Handelsforderungen sind China (5,2 Milliarden US-Dollar) und Russland (4,4 Milliarden US-Dollar). Deutschland hält nach Weltbank-Angaben 54 Millionen US-Dollar Handelsforderungen und 2 Millionen US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit. Das Bundesfinanzministerium weist allerdings keine Forderungen an Bangladesch aus.

Trend

Die Gesamtschulden Bangladeschs sind in den letzten 5 Jahren stark angestiegen. Allerdings verzeichnete das Land – außer im Jahr 2020 – auch ein hohes Wirtschaftswachstum, so dass die Schuldenindikatoren, die jeweils Verschuldung und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ins Verhältnis setzen, nur langsam stiegen. Mit den öffentlichen Schulden zu den öffentlichen Einnahmen und den gesamten Auslandsschulden im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen liegen erstmals zwei von fünf Indikatoren im leicht beziehungsweise deutlich kritischen Bereich. Alle anderen Indikatoren sind trotz steigender Tendenz weiterhin unkritisch.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Bangladesch

Bangladesch hatte vor und nach dem Jahr 2000 gegenüber einzelnen bilateralen öffentlichen Gläubigern, die nicht im Pariser Club der Gläubiger organisiert sind, vereinzelt Zahlungsrückstände aufgebaut, aber bislang noch keine Umschuldungen mit seinen öffentlichen oder privaten ausländischen Gläubigern vorgenommen. Für die Enschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC) war das Land nicht qualifiziert.

Für das 2020 von den G20 angebotene Schuldenmoratorium zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie war Bangladesch qualifiziert und hätte in den Jahren 2020 und 2021 rund 615 Millionen US-Dollar aufschrieben können. Die Regierung hat darauf allerdings verzichtet.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der Internationale Währungsfonds bescheinigt Bangladesch ein niedriges Überschuldungsrisiko.

Die hohe öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den Einnahmen des Staates soll durch Verbesserungen auf der Einnahmeseite korrigiert werden. Das Potenzial dafür ist vorhanden.

Externe Schocks mit potenziell starken Auswirkungen auf Bangladesch, wären

  • ein anhaltend starker Dollar, an den die Landeswährung gekoppelt ist, wodurch Wettbewerbsvorteile auf Märkten der Eurozone verloren gehen könnten;
  • die zunehmend spürbaren Folgen des Klimawandels, welche immer größere Anstrengungen zum Schutz des nahezu auf Meereshöhe liegenden Landes notwendig machen.

Politische Empfehlungen

Zur Erhaltung der Handlungsfähigkeit des Staates besteht akut kein Handlungsbedarf im Bereich der öffentlichen sowie der Auslands-Verschuldung. Allerdings lebt mehr als jede*r fünfte Einwohner*in des Landes unter der von der Weltbank definierten Armutsgrenze. Die nationale Nichtregierungsorganisation SUPRO hatte deshalb bereits 2010 vorgeschlagen, Schuldenreduzierungen zur Finanzierung essenzieller Dienstleistungen anzustreben. Diese Situation könnte sich infolge des Klimawandels in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Die Regierung sollte deswegen speziell auf die Möglichkeit von Schuldenerleichterungen im Fall von Schäden und Verlusten (Loss & Damage) im Sinne des Pariser Klimaabkommens drängen.

Weiterführende Informationen und Materialien

Stand: Dezember 2022