Zivilgesellschaft fordert ein Erlassjahr zur Bekämpfung der Corona-Krise

(Düsseldorf, 07.04.2020) Über 100 Organisationen aus aller Welt fordern einen Erlass der Schuldendienstzahlungen armer Länder, um diesen den Kampf gegen die durch COVID-19 ausgelöste Gesundheits- und Wirtschaftskrise zu ermöglichen. Zu den Unterzeichnern gehört auch das deutsche Entschuldungsbündnis erlassjahr.de.

Am heutigen Weltgesundheitstag fordern über 100 zivilgesellschaftliche Organisationen die Streichung aller ausstehenden Schuldendienstzahlungen armer Länder an deren ausländische Gläubiger. Durch die Streichung des Schuldendienstes von armen Ländern an andere Regierungen, multilaterale Finanzinstitutionen und private Gläubiger würden für die Bekämpfung des Corona-Virus 25,5 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2020 freigesetzt.

Kristina Rehbein, politische Referentin beim deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de, sagt: „Millionen von Menschen in einigen der ärmsten Länder der Welt stehen vor einer dramatischen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Krise, ausgelöst durch die COVID-19-Pandemie. Die dauerhafte Streichung von fälligem Schuldendienst ist der schnellste Weg, um bestehende öffentliche Mittel für die Bekämpfung dieser beispiellosen Krise frei zu machen und somit Leben zu retten.“

Neben der Streichung des fälligen Schuldendienstes sind nach Schätzungen des European Network on Debt and Development (EURODAD) zusätzliche 73,1 Milliarden US-Dollar an Nothilfe im Jahr 2020 nötig, um Niedrigeinkommensländer bei ihrer Reaktion auf die Krise zu unterstützen. Rehbein: „Diese Nothilfe muss in Form von Zuschüssen und nicht von Krediten gewährt werden. Es muss dringend verhindert werden, dass die Verschuldung armer Länder noch weiter ansteigt. Für eine langfristige Entlastung betroffener Länder müssen endlich Reformen für ein umfassendes und verbindliches Verfahren zur Lösung von Schuldenkrisen auf den Weg gebracht werden.“

Aus Deutschland gehören neben dem deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de auch die beiden großen konfessionellen Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor zu den Unterzeichnern. Die Petition ist für weitere unterzeichnende Organisationen geöffnet.

 

Das deutsche Entschuldungsbündnis „erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung e. V.“ setzt sich dafür ein, dass den Lebensbedingungen von Menschen in verschuldeten Ländern mehr Bedeutung beigemessen wird als der Rückzahlung von Staatsschulden. erlassjahr.de wird von derzeit über 600 Organisationen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft bundesweit getragen und ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk nationaler und regionaler Entschuldungsinitiativen.

 

Kontakt:

Mara Liebal
Öffentlichkeitsreferentin erlassjahr.de
Tel.: 0211/ 4693-211

 

Weitere Informationen:

  • Zur Petition „Ein Erlassjahr zur Bekämpfung der Gesundheits- und Wirtschaftskrise durch COVID-19“: https://staging.erlassjahr.net/wordpress/wp-content/uploads/2020/04/Jubilee-Statement-Corona-final200407.pdf